Was ist eine Fahranalyse

Analyse der Fahrt ist die systematische Beobachtung und Auswertung des Skifahrens mit dem Ziel, das Verhältnis zwischen den Bewegungen des Skifahrers, dem Verhalten der Ski und dem Ergebnis der Fahrt zu verstehen. Sie kann direkt am Hang, anhand von Videoaufnahmen oder mithilfe von Messungen erfolgen, zum Beispiel Zwischenzeiten, GNSS oder Trägheitssensoren.

Dabei geht es nicht nur darum, einen Fehler zu benennen oder zu beurteilen, ob die Fahrt schön aussieht. Der Trainer beobachtet zunächst, was tatsächlich passiert, sucht dann nach einer möglichen Erklärung und schlägt erst danach eine Veränderung vor. Die Analyse ist daher kein endgültiges Urteil über die Technik oder die Fähigkeiten des Skifahrers. Sie ist eine Arbeits-Hypothese, die in der nächsten Fahrt überprüft werden muss.

Fachliche Systeme zur Bewertung der Technik arbeiten mit der Beobachtung von Balance, Kantenstellung, Steuerung der Skier und Druckregulation. U.S. Ski & Snowboard empfiehlt außerdem, standardisierte Skifahr-Fertigkeiten zusammen mit der Wettkampfleistung zu beurteilen, da die reine Endzeit kein vollständiges Bild von der Entwicklung des Skifahrers liefert.

Was der Trainer während der Fahrt beobachtet

Die Analyse beginnt immer mit der Frage, welche Aufgabe die Fahrt hatte. Andernfalls wird eine langsame Technikübung anders bewertet als eine freie Fahrt, Slalomtraining oder eine Fahrt im Riesenslalom. Bedeutung haben auch Hangneigung und Hangprofil, Schnee, Sicht, Tempo, Kurssetzung, Ausrüstung, Ermüdung und die Erfahrung des Skifahrers.

Die Beobachtung kann vom Ergebnis zur Bewegung fortschreiten:

  • welche Spur und Kurvenform die Ski erzeugen,
  • wo die Kurve beginnt und beendet wird,
  • ob die Ski überwiegend auf den Kanten geführt werden oder quer rutschen,
  • wie sich Tempo und Fahrtrichtung verändern,
  • ob der Skifahrer das Gleichgewicht über der Stützfläche hält,
  • wie und wann er den Kantenwinkel aufbaut,
  • wie er den Druck zwischen den Skiern und während der Kurve reguliert,
  • welche Drehbewegungen er nutzt,
  • wie Bewegungen von Beinen, Oberkörper, Armen und Stöcken das beabsichtigte Ergebnis unterstützen oder stören.

Es ist hilfreich, mehrere aufeinanderfolgende Schwünge zu beobachten. Eine Aufnahme kann nur die kurze Folge einer vorherigen Bewegung erfassen und muss die Ursache nicht zeigen. Der Unterschied zwischen Rechts- und Linksschwung kann zufällig sein, er kann aber auch mit Einseitigkeit der Bewegung, dem Gelände oder der Kurssetzung zusammenhängen.

Beobachtung, Interpretation und Eingriff

Eine gute Analyse trennt drei Schritte:

1. Beobachtung: Der Außenski verschiebt sich am Ende mehrerer Schwünge deutlich quer. 2. Interpretation: Der Skifahrer kann die nötige Richtung oder den Kantenwinkel zu spät aufbauen. Das ist eine mögliche Erklärung, nicht automatisch eine bewiesene Ursache. 3. Trainingsintervention: Der Trainer wählt eine einfache Aufgabe, die das Timing oder die Art der Skiführung verändern soll, und beobachtet, ob sich das Ergebnis wiederholt verbessert.

Ein häufiger Fehler ist es, den ersten Schritt zu überspringen und zum Beispiel zu sagen, das Kind sei zu weit hinten oder drücke zu wenig auf den Außenski. Eine solche Aussage kann ungenau sein, wenn nicht klar ist, in welchem Teil des Schwungs das Phänomen auftritt, was die Ski tun und welche Folge die Bewegung hat.

Fahranalyse – technische Illustration Ski Loko

Der folgende Grundsatz gehört zur Trainingspraxis, nicht zu den Wettkampfregeln: Ein Feedback sollte eine Hauptpriorität haben. Die Korrektur mehrerer Körperteile zugleich verdeckt oft das eigentliche Problem, und der Skifahrer weiß nicht, worauf er sich bei der nächsten Fahrt konzentrieren soll. Daher verbinden die Methoden der Instruktoren Bewegungsanalyse mit einem klar definierten Ergebnis und mit der Beobachtung dessen, was gerade vermittelt wird.

Videoaufzeichnung und Messung

Video ermöglicht es, eine Fahrt mehrmals anzuschauen, zu verlangsamen und mehrere Versuche zu vergleichen. Die Forschung aus dem Bereich des alpinen Skiunterrichts unterstützt den Einsatz von Video in Verbindung mit verbaler Rückmeldung, weist aber zugleich darauf hin, dass der Blick auf die eigene Fahrt für manche Skifahrer demotivierend sein kann.

Auch ein gutes Video misst für sich allein weder den Druck auf die Ski, die auf den Körper wirkenden Kräfte noch die genaue Position des Schwerpunkts. Das zweidimensionale Bild wird außerdem vom Kamerawinkel, der Entfernung, der Perspektive und der Geländestruktur beeinflusst. Eine Zeitlupe ist daher nicht automatisch eine objektive Erklärung der Fahrt.

In der Trainingspraxis ist es sinnvoll, einen zusammenhängenden Abschnitt aufzunehmen, auf dem die Anfahrt, mehrere Schwünge und die Ausfahrt sichtbar sind. Je nach Fragestellung kann die Fahrt von vorne, von hinten oder von der Seite gefilmt werden. Beim Vergleichen von Versuchen sollten die Bedingungen und die Aufgabe möglichst ähnlich sein.

Die Zeitmessung zeigt das Ergebnis eines Abschnitts, nicht seine Ursache. Eine schnellere Fahrt bedeutet nicht automatisch eine bessere Technik: Das Ergebnis kann von der Linie, dem Start, einer Schneeänderung oder einem anderen Verlauf der Strecke beeinflusst werden. Im leistungsorientierten Skilauf ist es daher am sinnvollsten, die Beobachtung des Trainers, Video, Zwischenzeiten und nach Möglichkeit weitere Messungen zu kombinieren. Die Fachliteratur beschreibt den Einsatz von Inertialsensoren und GNSS zur Erfassung der Kinematik oder der Spur des Skifahrers, solche Daten erfordern jedoch eine korrekte Aufnahme und fachkundige Interpretation.

Fahranalyse bei Kindern

Bei Kindern muss die Analyse dem Alter, der Erfahrung, der motorischen Entwicklung und der Fähigkeit, die Aufmerksamkeit zu halten, entsprechen. Kleinere Kinder brauchen in der Regel keine ausführliche biomechanische Erklärung. Wirksamer können eine kurze Demonstration, eine bildhafte Bezeichnung oder eine Bewegungsaufgabe sein, deren Ergebnis das Kind selbst spürt und sieht.

Video sollte nicht als öffentliche Fehlersuche verwendet werden. Der Trainer kann das Kind zunächst sagen lassen, was ihm gelungen ist und was es während der Fahrt gespürt hat. Feedback sollte zwischen dem Verhalten in einem konkreten Versuch und der Bewertung der Person unterscheiden: Ein ungenauer Schwung bedeutet nicht, dass ein Kind ein schlechter oder talentloser Skifahrer ist.

Standardisierte Übungen können stärkere und schwächere Bereiche getrennt von den Ergebnissen im Stangenlauf zeigen. Ihr Anspruch muss jedoch dem Entwicklungsstand und den Erfahrungen des Kindes entsprechen, was auch das SkillsQuest-System respektiert.

Typische Fehler bei der Analyse

  • Bewertung der Technik anhand nur eines Schwungs oder eines Fotos,
  • Beschreibung der Körperhaltung, ohne das Verhalten der Ski zu beobachten,
  • das Beobachtete als bewiesene Ursache zu verwechseln,
  • Fahrten unter unterschiedlichen Bedingungen zu vergleichen, ohne auf die Unterschiede hinzuweisen,
  • die Haltung eines Spitzenfahrers zu kopieren, ohne Rücksicht auf Tempo, Strecke und Körperproportionen,
  • zu viele Anweisungen vor einer Fahrt,
  • Fortschritt nur nach der Endzeit zu beurteilen,
  • Fachbegriffe zu verwenden, die ein Kind nicht versteht.

Aus Sicht des Trainers ist eine gute Analyse kurz, konkret und überprüfbar. Sie beantwortet vier Fragen: Was war die Aufgabe? Was haben die Ski gemacht? Welche Bewegung hing wahrscheinlich damit zusammen? Was probieren wir in der nächsten Fahrt aus?

Quellen und weiterführende Lektüre

  1. U.S. Ski & Snowboard – SkillsQuest
  2. U.S. Ski & Snowboard – Descriptions SkillsQuest Drills
  3. PSIA-AASI – Alpine Certification Performance Guide
  4. PSIA-Rocky Mountain-AASI – Alpine Assessment Guide 2025–26
  5. Ruzicka, Milova – Increasing the efficiency of motor learning with the help of video analysis
  6. Supej a kol. – Monitoring the Performance of Alpine Skiers with Inertial Motion Units
  7. Gløersen a kol. – Quantitative downhill skiing technique analysis according to ski instruction curricula
  8. Kirby – Development of a real-time performance measurement and feedback system for alpine skiers