Was ist motorisches Lernen

Motorisches Lernen (motor learning) bezeichnet Prozesse, die mit Übung oder Erfahrung verbunden sind und zu einer relativ dauerhaften Veränderung der Fähigkeit führen, eine Bewegungsfertigkeit auszuführen. Es geht also nicht nur um einen gelungenen Schwung bei einer einzigen Fahrt. Lernen zeigt sich daran, dass der Skifahrer die Lösung später wiederholen, ohne ständige Anleitung anwenden und an anderes Gelände, andere Geschwindigkeit oder anderes Tempo anpassen kann.

Motorisches Lernen muss unterschieden werden von der momentanen Leistung. Ein Kind kann sich im Training dank präziser Anweisungen, einer Demonstration oder der Führung des Trainers schnell verbessern, doch nach einer Pause muss die Verbesserung nicht erhalten bleiben. Umgekehrt kann ein Training mit eigenständigem Suchen nach einer Lösung eine Zeit lang etwas ungeschliffen wirken, aber zu besserem Behalten und zur Übertragung der Fertigkeit führen.

Mit dem Lernen hängt auch die motorische Entwicklung zusammen, sie ist jedoch nicht dasselbe. Entwicklung umfasst Veränderungen, die mit Wachstum und Reifung verbunden sind. Lernen entsteht durch Erfahrung. In der Praxis greifen beide Prozesse ineinander: Kinder gleichen kalendarischen Alters können sich in Koordination, Aufmerksamkeit, Kraft, Vorerfahrungen und der Fähigkeit, eine Anweisung zu verstehen, unterscheiden.

Wie sich Lernen auf den Ski zeigt

Der Skifahrer eignet sich nicht eine isolierte Körperhaltung an, sondern das Verhältnis zwischen eigener Bewegung, den Skiern und der Umgebung. Er muss die Neigung und Beschaffenheit des Hangs, die Schneebeschaffenheit, die Geschwindigkeit, die Fahrtrichtung und die Reaktion der Ausrüstung wahrnehmen. Gleichzeitig stimmt er Belastung, Entlastung, Kanten und Führung der Ski auf die entstehende Situation ab.

Als praktische Zeichen des Lernens kann man ansehen:

  • das Beibehalten der Fertigkeit nach einer Pause oder im nächsten Training,
  • Übertragung auf einen anderen Schwungradius, ein anderes Gelände oder eine Torlaufstrecke,
  • geringere Abhängigkeit von Anweisungen des Trainers,
  • die Fähigkeit, den eigenen Fehler zu erkennen und eine Korrektur vorzuschlagen,
  • eine angemessen stabile Lösung auch bei wechselnden Bedingungen.

Eine einzige gelungene Fahrt reicht daher nicht aus, um daraus zu schließen, dass das Kind die Bewegung beherrscht. Der Trainer beobachtet Wiederholbarkeit, Selbstständigkeit und Anpassungsfähigkeit im Laufe der Zeit.

Anweisungen, Aufmerksamkeit und Rückmeldung

Die Forschung unterscheidet oft innere Fokussierung der Aufmerksamkeitzum Beispiel auf die Knieposition und äußere Fokussierung, bei der sich der Skifahrer auf die Wirkung der Bewegung oder auf ein Ziel in der Umgebung konzentriert. Äußere Fokussierung kann eine automatischere Bewegungssteuerung unterstützen, doch die Forschungsergebnisse bei Kindern sind nicht bei allen Aufgaben und Gruppen einheitlich. Die Anleitung sollte daher an Alter, Erfahrung, konkrete Aufgabe und daran angepasst werden, was das Kind versteht.

In der Skischulpraxis ist oft ein kurzes Ziel hilfreicher, etwa „geh leise über die Unebenheit“ oder „halte die Spur im Korridor“, als eine lange Liste von Positionen einzelner Körperteile. Vor allem jüngeren Kindern helfen eine Vormachung, ein anschaulicher Vergleich, eine markierte Spur und eine einfache Bewegungsaufgabe. Eine explizite Erklärung der Technik hat ihren Platz, sollte aber das eigentliche Fahren und die Wahrnehmung des Hanges nicht überdecken. Fachleute betonen bei der Wahl zwischen bewusstem und impliziterem Lernen die Fähigkeiten des Sportlers, die Art der Aufgabe und die Phase des Lernens.

Motorisches Lernen – technische Illustration Ski Loko

Feedback soll konkret sein und sich auf den Versuch oder das Ergebnis beziehen, nicht auf eine vermeintliche Eigenschaft des Kindes. Der Satz „in dieser Kurve hast du den Richtungswechsel zu spät begonnen“ liefert eine brauchbare Information. Die Bezeichnung „du bist kein Techniktyp“ bewertet die Person und hilft dem Lernen nicht. Die Forschung bei Kindern weist vor allem darauf hin, dass negatives Feedback in Form eines allgemeinen Urteils über Fähigkeiten ungeeignet ist.

Es gibt keine allgemeine Regel, dass der Trainer jeden Versuch korrigieren oder umgekehrt so wenig wie möglich sprechen soll. Bei einer neuen und sicherheitskritischen Aufgabe kann ein Kind häufiger Anleitung brauchen. Später ist es sinnvoll, ihm Zeit für eine eigene Einschätzung zu lassen, zu fragen, was es gespürt oder gesehen hat, und das Feedback schrittweise zu reduzieren. Systematische Übersichten zeigen, dass die Wirkung von Häufigkeit, Form und Zeitpunkt des Feedbacks von Aufgabe und Sportler abhängt; bei Kindern lässt sich eine Methode nicht als die beste für alle Situationen bezeichnen.

Wiederholung und Variabilität

Ohne ausreichend viele Versuche verfestigt sich eine Fähigkeit nicht. Das bloße mechanische Wiederholen derselben Übung garantiert jedoch nicht, dass die Lösung auf das reale Skifahren übertragen wird. Die Forschung zur Variabilität des Übens, besonders bei Kindern, liefert gemischte Ergebnisse und stützt nicht die einfache Regel „je abwechslungsreicher, desto besser“.

Die Trainingspraxis ist es, in Bedingungen zu beginnen, die das Kind sicher bewältigen kann, und dann Radius, Rhythmus, Neigung, Tempo, Spur oder Geländebeschaffenheit angemessen zu verändern. Der Schwierigkeitsgrad wird nicht in allen Elementen gleichzeitig erhöht. Ziel ist es nicht, zufälliges Chaos zu erzeugen, sondern den Skifahrer zu lehren, die Bewegung anhand wichtiger Informationen anzupassen.

Das amerikanische System zur Entwicklung alpiner Skifahrer legt in den Kinderstufen den Schwerpunkt auf eine breite Grundlage aus Geschicklichkeit, Gleichgewicht und Koordination, auf mehrere Bewegungsaktivitäten und auf den schrittweisen Übergang vom Entdecken des Geländes zur präziseren Ausführung von Fähigkeiten. Es handelt sich um einen Rahmen für langfristige Entwicklung, nicht um eine verbindliche Trainingsvorgabe für jedes Kind.

Rennautoktext

Im Rennskilauf wird motorisches Lernen daran geprüft, ob die Technik auf eine wechselnde Strecke übertragen werden kann. Die Tore geben nicht nur den Durchfahrtsort vor; sie schaffen ein Problem von Timing, Richtung, Tempo und Spurwahl. Ein Skifahrer, der eine Übung nur in einem Rhythmus oder nur nach ständiger Anleitung beherrscht, muss die Lösung noch nicht selbstständig anwenden können.

Der Trainer beurteilt daher nicht nur das Aussehen der Fahrt. Er beobachtet, ob die gewählte Aufgabe das erforderliche Verhalten verändert, ob der Sportler ihr Ziel versteht und ob die Verbesserung auch ohne Hilfe sichtbar wird. Eine kurze technische Übung ist dann sinnvoll, wenn ihre Wirkung anschließend mit der ganzen Fahrt verbunden wird.

Typische Missverständnisse

  • Ein Fehler ist nicht immer ein Beweis für schlechtes Lernen. Bei der Suche nach einer Lösung entstehen auch erfolglose Versuche. Einen gefährlichen oder wiederholten Fehler darf der Trainer jedoch nicht unbeachtet lassen.
  • Die perfekte Nachahmung ist nicht das einzige Ziel. Kinder unterscheiden sich in Körperproportionen, Erfahrungen und Ausrüstung; entscheidend ist die Funktion der Bewegung.
  • Mehr Anweisungen bedeuten nicht mehr Lernen. Zu viele Informationen können von der eigentlichen Aufgabe ablenken.
  • Spiel ist nicht das Gegenteil von Training. Ein passend gewähltes Spiel kann viele Wiederholungen, Entscheidungen und natürliche Variabilität schaffen.
  • Schnelle Verbesserungen während einer einzigen Abfahrt müssen nicht dauerhaft sein. Das Gelernte sollte nach einiger Zeit und in einer veränderten Situation überprüft werden.

Aus Sicht des Trainers ist motorisches Lernen das Gestalten von Bedingungen, in denen das Kind selbst funktionale Bewegungslösungen findet und schrittweise stabilisiert. Eine gute Anleitung verbindet sichere Organisation, ein klares Ziel, genügend Fahrpraxis, angemessenes Feedback und Raum für eigene Wahrnehmung und Entscheidungen.

Quellen und weiterführende Literatur

  1. 1. How can instructions and feedback with external focus be shaped to enhance motor learning in children? A systematic review
  2. 2. Frequent External-Focus Feedback Enhances Motor Learning
  3. 3. Multidisciplinary Views on Applying Explicit and Implicit Motor Learning in Practice: An International Survey
  4. 4. Effects of Generic versus Non-Generic Feedback on Motor Learning in Children
  5. 5. Effects of Feedback on Students’ Motor Skill Learning in Physical Education: A Systematic Review
  6. 6. Variability of Practice, Information Processing, and Decision Making—How Much Do We Know?
  7. 7. U.S. Ski & Snowboard – Alpine Training Systems