Einfahrfahrt ist eine der ersten kontrollierten Fahrten im Schnee vor dem Hauptteil des Trainings oder vor dem Rennstart. Ihr Ziel ist es, die beim Aufwärmen ohne Ski gewonnene Bereitschaft in eine konkrete Skibewegung zu übertragen. Der Skifahrer überprüft nach und nach das Gleichgewicht, den Bewegungsumfang, die Reaktion der Ski und die aktuellen Bedingungen am Hang.

In diesem Sinn handelt es sich um einen Trainingsbegriff, nicht um eine eigenständig definierte verpflichtende Handlung in den FIS-Regeln. Die Einfahrfahrt ist zugleich kein Ersatz für das allgemeine Aufwärmen. Der fachliche Konsens der FIS versteht die Vorbereitung auf den Schneesport breiter: Sie umfasst die körperliche und psychische Aktivierung, die Erhöhung der Körpertemperatur und die Vorbereitung des neuromuskulären Systems auf die sportliche Belastung. Direkte wissenschaftliche Belege für die Wirkung einer einzelnen konkreten Einfahrfahrt sind begrenzt; die Forschung befasst sich überwiegend mit der gesamten Aufwärmroutine.

Wie sie aussehen soll

Die Fahrt soll flüssig, aufmerksam und den Bedingungen angepasst sein. Die Intensität wird schrittweise gesteigert. Der Skifahrer kann mit größeren Schwüngen und geringerer Geschwindigkeit beginnen und anschließend je nach Trainingsziel Radius, Rhythmus oder Druck auf die Ski verändern. Es geht nicht darum, Leistung zu zeigen, sondern Informationen zu gewinnen: wie die Kante greift, wie der Schneewiderstand ist, wo der Untergrund härter ist, wie der Körper auf Kälte reagiert und ob sich die Bewegung steif anfühlt.

Die Einfahrfahrt kann auch auf ein ungewohntes Gefühl im Skischuh, am Stock oder am Ski hinweisen. Sie ersetzt jedoch keine Ausrüstungsprüfung, keinen Fachservice und keine richtige Einstellung der Bindung. Bei Verdacht auf einen Defekt oder eine ungeeignete Einstellung muss man anhalten und die Ausrüstung kontrollieren, nicht mit einer Probefahrt weiterfahren.

Forschungen unter alpinen Bedingungen haben gezeigt, dass ein aktives Aufwärmen die Körpertemperatur, die Herzfrequenz und die Beweglichkeit erhöhen kann. Bei junioren alpinen Skifahrern in der Kälte erzielte aktives oder kombiniertes Aufwärmen bessere Ergebnisse als reines passives Erwärmen. Daraus lässt sich jedoch kein einheitliches Verfahren für jedes Kind und jedes Wetter ableiten.

Einfahrfahrt – technische Illustration Ski Loko

Einfahrfahrt der Kinder

Bei Kindern soll die erste Fahrt einfach, sicher und verständlich sein. Die Strecke oder der freie Hang soll dem Alter, dem technischen Niveau, der Sicht und der Verkehrsdichte entsprechen. Jüngere Kinder bereiten sich oft besser mit einer klaren Bewegungsaufgabe oder einem kurzen Spiel vor als mit mehreren technischen Anweisungen auf einmal.

Der Trainer achtet vor allem auf die Stabilität der Haltung, die Orientierung im Raum, Reaktionen auf die Geschwindigkeit, Anzeichen von Kälte und darauf, ob das Kind konzentriert ist. Die Einfahrfahrt soll kein Muttest und kein Wettkampf um die höchste Geschwindigkeit sein. Nach langem Warten, einer Liftfahrt oder einer Trainingsunterbrechung kann es nötig sein, den Körper erneut zu aktivieren.

Wettkampfkontext

Beim Rennläufer ist die Fahrt auf Schnee meist ein Teil einer breiteren Routine vor dem Start. Beobachtungen des Trainings von Spitzen-Athleten im alpinen Skilauf beschreiben eine Kombination aus körperlichem Aufwärmen, Einfahren auf Ski, Besichtigung der Strecke und erneuter Aktivierung vor dem Start. Die konkrete Reihenfolge und der Umfang passen sich der Disziplin, dem Wetter, dem verfügbaren Hang und der Wartezeit an.

Die Einfahrfahrt muss von der offiziellen Besichtigung der Rennstreckeunterschieden werden. Der Zutritt zur Strecke, die Art der Besichtigung und die Bewegung der Rennläufer richten sich nach den aktuellen Regeln und den Anweisungen der Jury oder des Veranstalters. Die Rennstrecke ist daher nicht automatisch ein Ort zum freien Einfahren.

Typische Fehler

  • zu hohe Geschwindigkeit gleich im ersten Lauf,
  • anspruchsvolle Übung ohne vorheriges Aufwärmen,
  • zu viele technische Hinweise für ein Kind,
  • Missachtung von Schneehärte, Nebel, Kälte oder Verkehr auf der Piste,
  • langes Stehen nach dem Aufwärmen ohne erneute Aktivierung,
  • die Aufwärmfahrt mit einem gemessenen Versuch oder einer Besichtigung der Strecke verwechseln.

Aus Trainersicht ist eine gute Aufwärmfahrt eine kurze Beobachtung der Bereitschaft, kein Leistungstest. Sie soll den Skifahrer zu dem Gefühl führen, den Schnee wahrzunehmen, das Tempo zu kontrollieren und sicher in die Hauptaufgabe des Trainings überzugehen.

Quellen und Weiteres Lesen

  1. FIS consensus statement on warm-up and cool-down in competitive alpine and freestyle skiers and snowboarders
  2. FIS – Alpine Skiing Documents, aktuelle International Competition Rules
  3. Gass, Moran: Warm-up: Efficacy of a program designed for downhill skiing
  4. McGawley et al.: Comparing Active, Passive, and Combined Warm-Ups Among Junior Alpine Skiers in -7°C
  5. The Training of Olympic Alpine Ski Racers
  6. Practicing Sport in Cold Environments: Practical Recommendations to Improve Sport Performance and Reduce Negative Health Outcomes