Was ist Kraft

Im Sporttraining ist Kraft die Fähigkeit des nerval-muskuären Systems, Muskelspannung zu erzeugen und gegen äußeren Widerstand zu wirken. Es geht nicht nur um das Ergebnis im Fitnessstudio. Kraft hängt immer auch von der Körperposition, dem Winkel in den Gelenken, der Bewegungsgeschwindigkeit, der Koordination, der Ermüdung und der Art der Muskelarbeit ab.

Für Skifahrer sind vor allem diese Formen der Kraft wichtig:

  • Maximalkraft – die größte Kraft, die man in einer bestimmten Aufgabe erzeugen kann,
  • schnelle und explosive Kraft – die Fähigkeit, die nötige Kraft in sehr kurzer Zeit zu entwickeln,
  • Kraftausdauer – die Fähigkeit, eine kraftvolle Leistung wiederholt oder über längere Zeit ohne deutliches Nachlassen der Bewegung aufrechtzuerhalten,
  • exzentrische Kraft – die Fähigkeit, Belastung beim Verlängern des Muskels zu kontrollieren, zum Beispiel beim Abfangen von Unebenheiten oder beim Widerstehen äußerer Kräfte in der Kurve,
  • isometrische Kraft – das Erzeugen von Muskelspannung ohne deutliche Veränderung der Muskellänge, wie es zum Beispiel bei der Stabilisierung des Rumpfes wichtig ist.

Kraft und Leistung sind nicht ganz dasselbe. Leistung umfasst auch die Geschwindigkeit der Bewegungsausführung. Ein Kind kann relativ stark sein, aber die Kraft vielleicht nicht schnell genug entwickeln oder sie nicht richtig timen.

Bedeutung beim Skifahren

Im alpinen Skisport wirken wechselnde äußere Kräfte auf den Körper. Der Skifahrer muss den Druck auf die Ski steuern, eine funktionelle Position von Beinen und Rumpf halten, Übergänge zwischen den Kurven meistern und auf das Gelände reagieren. Fachübersichten zählen deshalb die Kraft der Beine, der Hüftregion und des Rumpfes, aber auch Explosivität, Gleichgewicht, Koordination, Beweglichkeit und Ausdauer zu den wichtigen konditionellen Voraussetzungen.

Kraft hilft dem Skifahrer:

  • eine stabile und zugleich bewegliche Haltung einnehmen,
  • die Belastung des äußeren Skis kontrollieren,
  • ungewolltem Ausweichen von Knie, Hüfte oder Oberkörper entgegenwirken,
  • Druck flüssig aufnehmen und entlasten,
  • Unebenheiten und Landungen abfedern,
  • die Qualität der Technik auch bei zunehmender Ermüdung halten,
  • einen wirksamen Abdruck am Start erzeugen.

Mehr Kraft bedeutet jedoch nicht automatisch bessere Technik oder eine schnellere Zeit auf der Strecke. Wenn ein Skifahrer die Kraft nicht richtig timt, steif arbeitet oder ein ungeeignetes Bewegungsmuster nutzt, löst das reine Konditionsniveau das Problem nicht.

Kraft bei Kindern und jungen Skifahrern

Fachliche Empfehlungen unterstützen ein angemessenes und fachlich angeleitetes Widerstandstraining bei Kindern und Jugendlichen. Voraussetzung sind eine passende Auswahl der Übungen, beherrschte Technik, eine schrittweise Steigerung der Schwierigkeit, ein sicheres Umfeld und die Aufsicht einer qualifizierten Person. Das Lebensalter allein reicht nicht aus, um die Trainingsbelastung festzulegen. Wichtig sind auch biologische Reife, Bewegungserfahrung, die Fähigkeit, sich auf Anweisungen zu konzentrieren, der Gesundheitszustand und das bisherige Training.

Kraft – technische Illustration von Ski Loko

Bei jüngeren Kindern kann Kraftentwicklung die Form von Spielen, Hindernisparcours, Klettern, Hängen, Stützpositionen, Kniebeugen, dem Tragen leichter Gegenstände, Sprüngen und kontrollierten Landungen annehmen. Ziel ist vor allem Vielseitigkeit, richtige Bewegungsgewohnheiten und eine angemessene Kontrolle des eigenen Körpers. Sichtbares Muskelwachstum ist nicht der einzige und auch nicht der wichtigste Indikator für eine Verbesserung; eine bedeutende Rolle spielen bessere Koordination und Bewegungssteuerung.

Mit zunehmender Erfahrung kann auch äußerer Widerstand eingesetzt werden, zum Beispiel Gummibänder, Medizinbälle, Geräte oder freie Gewichte. Über ihren Einsatz entscheidet nicht der Wunsch, so schnell wie möglich große Gewichte zu bewegen, sondern die Bereitschaft des Sportlers, die Übung technisch richtig und wiederholbar auszuführen.

Die WHO empfiehlt, dass Kinder und Jugendliche im Alter von 5 bis 17 Jahren muskel- und knochenstärkende Aktivitäten an mindestens drei Tagen pro Woche einbauen. Dabei handelt es sich um eine allgemeine Gesundheitsempfehlung, nicht um einen individuellen Plan für das Krafttraining eines Skifahrers.

Wettkampfkontex

Der internationale FIS-Konsens empfiehlt, Kraft zusammen mit Ausdauer, Schnelligkeit, Koordination und Beweglichkeit zu entwickeln und zu bewerten, wobei die Tests dem Alter, dem Geschlecht, dem Niveau und den Bedürfnissen des Sportlers entsprechen sollen. Das Ergebnis eines einzelnen Krafttests soll daher nicht das einzige Kriterium für Talent oder Wettkampftauglichkeit sein.

Bei Kindern kann ein Vergleich nur nach der absolut bewegten Last durch unterschiedliche Körpergröße und biologische Reife verzerrt werden. Den Trainer interessieren auch relative Kraft, Bewegungsqualität, Kontrolle der Beinachse, Symmetrie, Rumpfstabilität und die Fähigkeit, die Technik unter wiederholter Belastung zu halten.

Typische Fehler und Missverständnisse

  • Kraft wird mit Bodybuilding verwechselt. Widerstandstraining umfasst auch Arbeit mit dem eigenen Körper, Sprünge, Würfe, Ziehbewegungen, Stützarbeit und das Abbremsen von Bewegung.
  • Trainiert werden nur die Oberschenkel. Skifahren erfordert die Zusammenarbeit von Fuß, Sprunggelenk, Knie, Hüfte, Rumpf und Oberkörper.
  • Die Schwierigkeit wird vor der Qualität gesteigert. Mehr Gewicht oder mehr Wiederholungen ersetzt keine richtige Technik.
  • Es wird das Training erwachsener Wettkämpfer kopiert. Das Programm eines Elite-Skifahrers entspricht weder den Bedürfnissen noch der Regeneration eines Kindes.
  • Jede Serie wird bis zur völligen Erschöpfung ausgeführt. Übermäßige Müdigkeit kann die Bewegungskontrolle und das anschließende Skitraining verschlechtern.
  • Kraft wird ohne Bezug zur Bewegung trainiert. Ein Skifahrer muss wissen, wie er Kraft lenkt, timt und mit Gleichgewicht und Beweglichkeit kombiniert.

Blick des Trainers

Der Trainer beobachtet nicht nur, wie viel das Kind tragen kann oder wie viele Wiederholungen es schafft. Wichtiger ist, ob es bei den Übungen Rumpf, Knie und Füße kontrolliert, die Bewegung sicher abbremsen kann und die Technik auch bei angemessener Ermüdung beibehält. Die Kraftvorbereitung wird so geplant, dass sie das Erlernen der Skitechnik unterstützt und nicht dazu führt, dass das Kind erschöpft auf die Piste kommt.

Die Belastung wird schrittweise und individuell gesteigert. Schmerzen, Schwellungen, ein deutlicher Kontrollverlust oder eine langfristige Überlastung sind kein normales Trainingsziel und erfordern das Unterbrechen der Übung sowie eine fachliche Beurteilung. Bei gesundheitlichen Einschränkungen liegt die Entscheidung in der Zusammenarbeit von Trainer, Eltern und einer qualifizierten medizinischen Fachkraft.

Quellen und weiterführende Literatur

  1. International Ski and Snowboard Federation (FIS) consensus statement on training and testing in competitive alpine and freestyle skiers and snowboarders
  2. The Training of Olympic Alpine Ski Racers
  3. Position statement on youth resistance training: the 2014 International Consensus
  4. Youth resistance training: updated position statement paper from the National Strength and Conditioning Association
  5. WHO Guidelines on Physical Activity and Sedentary Behaviour
  6. Trunk Strength Characteristics of Elite Alpine Skiers – a Comparison with Physically Active Controls
  7. A Classification of Fitness Components in Elite Alpine Skiers: A Cluster Analysis