Was ist Gewichtsverlagerung
Gewichtsverlagerung ist die gebräuchliche Bezeichnung für die Veränderung der Verteilung von Stütze und Druck zwischen dem linken und dem rechten Ski. Am deutlichsten zeigt sie sich beim Übergang vom alten Außenski zum neuen Außenski zwischen zwei Kurven.
Aus physikalischer Sicht verändert sich die Masse des Skifahrers nicht und sie wird auch nicht wörtlich „verlagert“. Es ändern sich die Kräfte, mit denen die Ski auf den Schnee wirken und der Schnee zurück auf die Ski. Der genauere Fachbegriff ist daher Drucksteuerung zwischen den Skiern. Der Skifahrer beeinflusst sie durch die Position des Schwerpunkts in Bezug auf die Stützfläche, durch Beugen und Strecken der Beine, durch das Kanten und durch das richtige Timing der Bewegungen. Moderne Lehrmethoden unterscheiden dabei auch die Druckverlagerung zwischen den Skiern von der Drucksteuerung in der Vor-Zurück-Richtung entlang des Skis.
Der Außenski als Hauptstütze
Der Außenski ist der Ski, der weiter von der Kurvenmitte entfernt ist: in der Linkskurve ist es der rechte Ski und in der Rechtskurve der linke. In der geführten Kurve ist er meist die Hauptstütze und trägt in der Regel den größeren Teil der Belastung. Das bedeutet aber nicht, dass der Innenski immer angehoben oder vollständig entlastet werden muss.

Die Druckverteilung ist kein fester Anteil. Sie verändert sich je nach Phase der Kurve, Geschwindigkeit, Radius, Hangneigung, Untergrund und gewählter Linie. Messungen im Riesenslalom haben gezeigt, dass zu Beginn der Kurve, wenn die Gesamtkraft geringer ist, die Belastung der Ski relativ ausgeglichen sein kann. Ein deutlicherer Unterschied zwischen Außenski und Innenski entsteht während der Kurvenführung.
Beim Wechsel zwischen den Kurven wird der alte Außenski nach und nach entlastet und die Stütze auf dem neuen Außenski aufgebaut. Dieser kann vor der Falllinie noch der obere Ski sein und erst später zum unteren Ski werden. Deshalb ist es nicht genau, die Begriffe Außenski und unterer Ski. Biomechanische Analysen beschreiben den Übergang als eigenen Teil der Kurve, in dem sich die Belastung der Ski verändert und die Bewegung des Schwerpunkts in die nächste Kurve gerichtet wird.
Bedeutung beim Lernen von Kindern
Bei den ersten Pflugkurven merkt das Kind, dass eine unterschiedliche Stütze auf den Ski die Fahrtrichtung beeinflusst. Ein bloßes „Belasten“ eines Skis reicht jedoch nicht aus. Das Ergebnis entsteht durch das Zusammenspiel von Gleichgewicht, Kanten, Drehen der Ski und Drucksteuerung.

Die Anweisung „Gib Gewicht auf den Außenski“ kann für kleine Kinder zu abstrakt sein und führt oft dazu, dass sie den Oberkörper neigen oder das Bein abrupt strecken. Verständlicher sind Aufgaben, die auf das Ergebnis zielen, zum Beispiel einen festen Halt auf dem Außenski finden, fließende Schritte bei leichten Kurven machen oder den Innenski leicht halten, ohne ihn gewaltsam anzuheben.
Die Übung muss dem Alter, dem Gleichgewicht und dem Niveau des Skifahrers entsprechen. Schrittkurven, Fahren mit kurzem Entlasten eines Skis oder Kurven überwiegend auf dem Außenski gehören auf einen sanften, übersichtlichen Hang. Anspruchsvollere Ein-Ski-Übungen sind erst für einen ausreichend stabilen Skifahrer und unter Anleitung eines Trainers geeignet.
Wettkampfsituation
Im Rennski entscheidet nicht nur, welcher Ski belastet ist, sondern vor allem wann und wie schnell er abgestützt wird. Ein spätes Verlagern kann den Läufer zu lange auf dem alten Außenski oder dem neuen Innenski lassen. Ein abruptes „Aufstampfen“ auf den neuen Ski kann dagegen den flüssigen Bewegungsablauf, die Skiführung und den Kontakt zum Schnee stören.

Ziel ist nicht möglichst viel Druck um jeden Preis. Der Rennläufer muss Druck je nach Kurve und Strecke aufbauen, aufnehmen und auch wieder lösen. Die Ausbildungsmaterialien von U.S. Ski & Snowboard achten deshalb zunächst auf einen ausgewogenen Übergang zwischen den Skiern und erst auf höheren Stufen auf die Fähigkeit, den Druck je nach Situation aktiv zu verändern, das starke Außbein zu halten und mit dem Druck über die Skilänge zu arbeiten.
Typische Fehler und Missverständnisse
- Das gesamte Oberkörpergewicht über den Außenski zu neigen: der Druck kann sich zwar kurz verändern, doch der Skifahrer verliert oft Beweglichkeit und Gleichgewicht.
- Abruptes Aufstampfen: es erzeugt einen Stoß statt einer flüssigen Abstützung und kann die Skiführung stören.
- Später Übergang: der neue Außenski beginnt erst tief in der Kurve zu arbeiten, wenn der Skifahrer bereits der verzögerten Bewegung hinterherläuft.
- Das ständige Anheben des Innenskis: kann als Übung dienen, ist aber kein allgemeingültiges Bild des richtigen Skifahrens.
- Rücklage beim Skiwechsel: der Druck verlagert sich zu den Skienden, und der Skifahrer verliert die Bereitschaft für den Beginn der nächsten Kurve. Die über den Skischuh übertragenen Kräfte können außerdem nicht nur nach dem Druckgefühl an Fuß oder Zunge des Schuhs beurteilt werden.
- Suche nach einem festen Prozentverhältnis: die richtige Aufteilung ist nicht immer 100: 0 oder 50: 50; sie hängt von der konkreten Situation ab.
Blick des Trainers
Der Trainer beurteilt die Gewichtsverlagerung nicht nur nach der Körperposition in einer einzelnen Aufnahme. Er verfolgt die gesamte Bewegungsfolge: das Entlasten des alten Außenskis, die Führung des Körperschwerpunkts durch den Übergang, das Herstellen der Abstützung auf dem neuen Außenski und den fließenden Anstieg des Drucks während der Kurvenfahrt.
Eine gute Verlagerung der Abstützung zeigt sich in einer stabilen Führung des Außenskis, einem entsprechend ruhigen Oberkörper und der Möglichkeit, Radius oder Linie schnell zu verändern. Die Trainingsanweisung muss von der Ursache des Fehlers ausgehen. Ein Kind, das sich vor der Falllinie fürchtet, braucht eine andere Aufgabe als ein Rennläufer, der bei hoher Geschwindigkeit die Ski zu spät wechselt. Gewichtsverlagerung ist deshalb keine isolierte Bewegung und keine Wettkampfregel, sondern Teil des dynamischen Gleichgewichts und der Drucksteuerung in der Kurve.
Quellen und weiterführende Literatur
- U.S. Ski & Snowboard – Level 100 Alpine Manual
- U.S. Ski & Snowboard – Athlete Performance Profile
- PSIA-Rocky Mountain – Alpine Assessment Guide 2025–26
- Einfluss von Hangneigung, Fußposition und Kurvenphase auf die Druckverteilung unter der Fußsohle beim alpinen Riesenslalom
- Massenpunkt- versus Ganzkörpermodellierung von Skifahrern zur Leistungsbewertung im alpinen Skilauf
- Unterteilung von Skikurven mithilfe von Bodenreaktionskräften
- Untersuchung von Kraftmustern in einem Alpinskischuh und ihr Zusammenhang mit Fahrstilen und Sturzmechanismen
- Jüngste kinematische und kinetische Fortschritte im olympischen Alpinskilauf: Pyeongchang und darüber hinaus
